Order-Management-Prozess Optimieren Lösungen – Strategien zur Verbesserung des Bestellprozesses

Eine Bestellung kann im System längst als abgeschlossen erscheinen, während im Lager noch jemand nach der richtigen Ware sucht. Der Kunde wartet auf eine Versandbestätigung, der Vertrieb fragt nach dem Liefertermin und in der Buchhaltung fehlt eine Information, die eigentlich schon vor Stunden hätte vorliegen müssen. Solche Situationen sind im Handel nicht ungewöhnlich. Was von außen wie ein kleiner Fehler aussieht, ist häufig das Ergebnis eines Order-Management-Prozesses, der an mehreren Stellen unnötig kompliziert geworden ist.

Bei der Analyse von Bestellabläufen fällt mir immer wieder auf, dass Unternehmen ihre Aufmerksamkeit häufig auf den Moment der Bestellung richten. Der Kunde klickt auf „Kaufen“, die Zahlung wird verarbeitet, und damit scheint der wichtigste Teil erledigt. In der Praxis beginnt die eigentliche Herausforderung jedoch erst danach. Eine Bestellung muss geprüft, zugeordnet, vorbereitet, verschickt, dokumentiert und gegebenenfalls auch geändert oder retourniert werden. Je mehr Vertriebskanäle, Lagerstandorte und interne Zuständigkeiten beteiligt sind, desto schneller entstehen Reibungsverluste.

Ein guter Order-Management-Prozess besteht deshalb nicht nur aus Software und automatisierten Statusmeldungen. Er muss so aufgebaut sein, dass Menschen ihre Aufgaben zuverlässig erledigen können und Informationen nicht ständig gesucht, nachgetragen oder zwischen verschiedenen Systemen übertragen werden müssen. Genau hier liegen die interessantesten Möglichkeiten zur Optimierung.

Warum Bestellprozesse häufig komplizierter sind, als sie aussehen

Auf einem Prozessdiagramm wirkt ein Bestellvorgang oft übersichtlich: Bestellung eingehen lassen, Bestand prüfen, Auftrag bearbeiten, Ware versenden. In einem laufenden Handelsunternehmen kommen allerdings zahlreiche Sonderfälle hinzu. Ein Artikel ist im Onlineshop verfügbar, liegt aber am falschen Standort. Eine Zahlung wurde autorisiert, aber noch nicht endgültig bestätigt. Der Kunde bestellt mehrere Produkte, die aus unterschiedlichen Lagern verschickt werden müssen. Oder eine Bestellung enthält eine Lieferadresse, die vom System nicht korrekt übernommen wurde.

Diese Einzelfälle sind nicht unbedingt das Problem. Schwierig wird es, wenn der Prozess für jede Ausnahme eine andere manuelle Lösung benötigt. Dann entsteht eine Art unsichtbare Zusatzarbeit: Mitarbeitende schreiben E-Mails, führen Excel-Listen, prüfen Bestellungen doppelt oder fragen bei Kollegen nach, obwohl die benötigten Daten eigentlich vorhanden sein müssten.

Ein Beispiel aus dem operativen Alltag: Ein Kunde bestellt drei Artikel. Zwei sind im Hauptlager verfügbar, der dritte befindet sich in einer Filiale. Das System nimmt die Bestellung an, kann aber keine sinnvolle Versandentscheidung treffen. Nun muss jemand prüfen, ob eine Teillieferung wirtschaftlich ist, ob die Ware umgelagert werden soll oder ob der gesamte Auftrag warten kann. Wenn diese Entscheidung nicht durch klare Regeln unterstützt wird, hängt der Ablauf von der Erfahrung einzelner Mitarbeiter ab.

Bei der Optimierung sollte man deshalb nicht einfach fragen: „Wie können wir Bestellungen schneller bearbeiten?“ Die bessere Frage lautet: An welcher Stelle muss ein Mensch heute noch eine Entscheidung treffen, die eigentlich durch einen klar definierten Prozess unterstützt werden könnte?

Der erste Schritt: Den tatsächlichen Ablauf sichtbar machen

Bevor ein Unternehmen neue Software einführt oder zusätzliche Automatisierungen plant, sollte es den bestehenden Bestellprozess realistisch betrachten. Nicht so, wie er laut interner Dokumentation funktionieren sollte, sondern so, wie er an einem gewöhnlichen Dienstag tatsächlich abläuft.

Ich würde dafür einige konkrete Bestellungen aus unterschiedlichen Situationen auswählen: eine reibungslose Standardbestellung, einen Auftrag mit fehlendem Bestand, eine Bestellung mit mehreren Lieferpositionen und eine Retoure. Anschließend wird nachvollzogen, welche Systeme und Abteilungen beteiligt sind. Wo wird die Bestellung zuerst erfasst? Wann erfolgt die Bestandsprüfung? Wer entscheidet bei Abweichungen? Woher erhält der Kundenservice seine Informationen?

Oft zeigen sich dabei überraschende Unterschiede zwischen den offiziellen Abläufen und der Realität. Ein System kann beispielsweise eine automatische Bestellbestätigung versenden, während die tatsächliche Auftragsprüfung noch nicht abgeschlossen ist. Für den Kunden entsteht dadurch der Eindruck, dass die Lieferung bereits gesichert sei. Intern weiß jedoch niemand genau, ob alle Artikel verfügbar sind.

Eine solche Diskrepanz ist mehr als ein Kommunikationsproblem. Sie kann zu unnötigen Rückfragen, enttäuschten Erwartungen und zusätzlicher Arbeit führen. Deshalb sollte der Prozess nicht allein anhand der Systemstatus bewertet werden. Entscheidend ist, ob der jeweilige Status die tatsächliche Situation des Auftrags korrekt widerspiegelt.

Order-Management-Systeme sinnvoll miteinander verbinden

In vielen Handelsunternehmen gibt es nicht ein einziges System, das alle Informationen verwaltet. Stattdessen arbeiten Warenwirtschaft, ERP, Onlineshop, Lagerverwaltung, Zahlungsanbieter und Versandsoftware nebeneinander. Das ist grundsätzlich kein Nachteil. Problematisch wird es, wenn die Systeme unterschiedliche Datenstände führen oder wichtige Informationen nur verzögert übertragen werden.

Eine Bestellung kann beispielsweise im Shopsystem als bezahlt erscheinen, während das ERP noch auf eine Zahlungsbestätigung wartet. Oder der Lagerbestand wird erst in regelmäßigen Abständen synchronisiert. In dieser Zeit kann ein Produkt mehrfach verkauft werden, obwohl nur noch ein Exemplar verfügbar ist.

Die technische Optimierung sollte nicht automatisch bedeuten, sämtliche Systeme auszutauschen. Häufig ist es sinnvoller, zunächst die Schnittstellen und Verantwortlichkeiten zu überprüfen. Welche Anwendung ist für den Bestellstatus zuständig? Wo wird der verfügbare Bestand verbindlich geführt? Welche Information muss in Echtzeit übertragen werden, und bei welcher reicht eine zeitverzögerte Aktualisierung?

Besonders wichtig ist eine gemeinsame Logik für den Bestellstatus. Begriffe wie „in Bearbeitung“, „versendet“ oder „abgeschlossen“ dürfen nicht in jedem System etwas anderes bedeuten. Wenn der Kundenservice einen Auftrag als versendet sieht, obwohl das Paket noch nicht an den Versanddienstleister übergeben wurde, entstehen falsche Aussagen gegenüber dem Kunden.

Eine durchdachte Integration schafft hier mehr als technische Effizienz. Sie sorgt dafür, dass alle Beteiligten mit demselben Informationsstand arbeiten können. Das reduziert Rückfragen und erleichtert es, Fehler gezielt zu lokalisieren.

Automatisierung dort einsetzen, wo sie wirklich entlastet

Automatisierung wird im Order Management häufig als universelle Lösung betrachtet. Doch nicht jede manuelle Tätigkeit ist überflüssig, und nicht jede automatisierte Entscheidung verbessert den Prozess. Die entscheidende Frage lautet, ob eine Aufgabe regelmäßig nach denselben Regeln abläuft und ob die Fehlerkosten bei einer falschen Automatisierung vertretbar bleiben.

Bei Standardaufgaben kann Automatisierung erheblich entlasten. Dazu gehören etwa die Übertragung von Bestelldaten, die Erstellung von Versandaufträgen, die Prüfung bestimmter Pflichtfelder oder die Benachrichtigung bei definierten Statusänderungen. Solche Schritte benötigen normalerweise keine individuelle Einschätzung durch einen Mitarbeiter.

Anders sieht es bei Bestellungen mit besonderen Bedingungen aus. Ein Großkunde kann spezielle Liefervereinbarungen haben, eine Bestellung kann aus mehreren Teillieferungen bestehen oder ein Produkt kann einer besonderen Versandregel unterliegen. Wenn ein automatisiertes System solche Fälle nicht erkennt, wird aus einer vermeintlichen Vereinfachung schnell eine Fehlerquelle.

Ich halte deshalb eine Kombination aus Automatisierung und klaren manuellen Eingriffsmöglichkeiten für besonders sinnvoll. Das System sollte Standardfälle möglichst selbstständig verarbeiten. Sobald eine definierte Ausnahme auftritt, muss der Auftrag jedoch gezielt an die richtige Stelle weitergeleitet werden. Ein Mitarbeiter sollte nicht erst durch Zufall bemerken, dass eine Bestellung seit zwei Tagen nicht weiterbearbeitet wurde.

Ein hilfreiches Detail ist dabei die Einrichtung von Eskalationsregeln. Wenn beispielsweise eine Bestellung innerhalb eines festgelegten Zeitraums nicht bestätigt werden kann, sollte automatisch eine Aufgabe entstehen. Dabei geht es nicht darum, Mitarbeitende mit Warnmeldungen zu überfluten. Es geht um wenige, nachvollziehbare Hinweise, die tatsächlich eine Entscheidung erfordern.

Bestandsmanagement und Auftragszuordnung enger verknüpfen

Ein großer Teil der Probleme im Bestellprozess beginnt bereits bei der Bestandsinformation. Ein Produkt wird online als verfügbar angezeigt, obwohl die tatsächlich nutzbare Menge geringer ist. Gründe dafür können reservierte Ware, beschädigte Artikel, offene Umlagerungen oder noch nicht verbuchte Retouren sein.

Für eine zuverlässige Auftragsabwicklung muss deshalb zwischen physischem Bestand und verfügbarem Bestand unterschieden werden. Nicht jedes Produkt, das sich im Lager befindet, kann unmittelbar für einen neuen Auftrag verwendet werden. Diese Differenz sollte im System nachvollziehbar sein und nicht erst bei der Kommissionierung auffallen.

Ebenso wichtig ist die Frage, nach welchen Kriterien ein Auftrag einem Lagerstandort zugeordnet wird. Die kürzeste Entfernung ist nicht immer die wirtschaftlichste Lösung. Versandkosten, Lieferfristen, Lagerauslastung und die Verfügbarkeit der vollständigen Bestellung können die Entscheidung beeinflussen.

Bei mehreren Standorten empfiehlt es sich, verbindliche Prioritäten festzulegen. Ein Unternehmen kann beispielsweise entscheiden, dass vollständige Lieferungen grundsätzlich Vorrang haben, solange dadurch die zugesagte Lieferzeit eingehalten wird. In anderen Fällen kann eine schnelle Teillieferung sinnvoller sein. Welche Regel passt, hängt vom Sortiment, der Kundengruppe und den logistischen Kosten ab.

Wichtig ist, dass solche Entscheidungen nicht ausschließlich in den Köpfen erfahrener Disponenten existieren. Wenn eine Regel häufig angewendet wird, sollte sie dokumentiert und möglichst im System unterstützt werden. Dadurch wird der Prozess weniger abhängig von einzelnen Personen und besser skalierbar.

Lieferzeiten nicht versprechen, bevor sie geprüft sind

Ein häufiger Schwachpunkt im E-Commerce liegt in der Kommunikation von Lieferterminen. Ein Shop zeigt eine attraktive Lieferzeit an, die im Bestellprozess jedoch nicht ausreichend abgesichert ist. Sobald mehrere Faktoren zusammenkommen, etwa ein begrenzter Bestand oder ein ausgelastetes Lager, lässt sich das Versprechen nicht mehr zuverlässig einhalten.

Ein belastbarer Order-Management-Prozess sollte daher nicht nur die Bestellung entgegennehmen, sondern auch die Grundlage für eine realistische Lieferprognose schaffen. Dafür müssen Informationen über Bestand, Bearbeitungszeit, Versandart und gegebenenfalls Produktions- oder Beschaffungszeiten zusammengeführt werden.

Es ist ein Unterschied, ob ein Artikel aktuell im Lager liegt oder ob er zwar bestellt werden kann, aber erst in drei Tagen eintrifft. Beide Situationen können im Shop als „verfügbar“ erscheinen, erzeugen beim Kunden jedoch völlig unterschiedliche Erwartungen.

In der Kommunikation würde ich lieber eine realistische Lieferzusage als eine besonders optimistische Formulierung verwenden. Ein Kunde kann mit einer Lieferzeit von vier Tagen häufig besser umgehen als mit einem Versprechen von zwei Tagen, das später korrigiert werden muss. Verlässlichkeit entsteht nicht durch möglichst kurze Angaben, sondern durch eine gute Abstimmung zwischen Verkauf und operativer Abwicklung.

Wenn der Kundenservice ständig den Bestellstatus prüfen muss

Wie gut ein Order-Management-Prozess funktioniert, lässt sich häufig am Kundenservice ablesen. Wenn Mitarbeitende regelmäßig in mehreren Systemen nach einer Bestellung suchen müssen, ist das ein deutlicher Hinweis auf fehlende Transparenz.

Eine zentrale Übersicht sollte mindestens die relevanten Informationen zum Auftrag zusammenführen: Bestellnummer, Zahlungsstatus, Verfügbarkeit, Bearbeitungsstand, Versanddaten und gegebenenfalls offene Probleme. Dabei muss nicht jeder Mitarbeiter Zugriff auf sämtliche internen Daten haben. Entscheidend ist, dass die jeweils benötigten Informationen schnell und verständlich verfügbar sind.

Besonders hilfreich sind eindeutige Hinweise bei Ausnahmefällen. Ein Auftrag mit einer Verzögerung sollte nicht einfach als „in Bearbeitung“ erscheinen. Besser wäre eine nachvollziehbare Kennzeichnung, etwa „Warten auf Bestand“, „Adressprüfung erforderlich“ oder „Zahlungsbestätigung ausstehend“. Solche Informationen ermöglichen es dem Kundenservice, gezielt zu handeln, statt allgemeine Antworten zu geben.

Die Wirkung zeigt sich nicht nur in kürzeren Bearbeitungszeiten. Auch die Qualität der Kundenkommunikation verbessert sich. Wenn ein Mitarbeiter den tatsächlichen Grund für eine Verzögerung kennt, kann er eine konkrete Auskunft geben und gegebenenfalls eine Lösung anbieten.

Retouren und Änderungen gehören zum Prozess, nicht an dessen Rand

Ein Bestellprozess ist nicht abgeschlossen, sobald das Paket das Lager verlässt. Kunden ändern Adressen, stornieren Positionen, verweigern Annahmen oder senden Waren zurück. Diese Vorgänge sollten von Anfang an in der Prozessgestaltung berücksichtigt werden.

Gerade bei Retouren zeigt sich, ob die Systeme miteinander kommunizieren. Die zurückgesendete Ware muss erfasst, geprüft und gegebenenfalls wieder als verfügbarer Bestand eingebucht werden. Gleichzeitig müssen Rückerstattung, Kundeninformation und gegebenenfalls eine Ersatzlieferung koordiniert werden.

Wenn diese Abläufe unabhängig voneinander stattfinden, können unnötige Verzögerungen entstehen. Ein Kunde erhält vielleicht bereits eine Rückerstattung, während die Ware noch nicht geprüft wurde. Oder ein Artikel liegt wieder im Lager, wird aber erst Tage später im Bestand sichtbar.

Ein sinnvoller Ansatz besteht darin, für typische Retourenfälle klare Prozessvarianten zu definieren. Eine beschädigte Ware benötigt eine andere Bearbeitung als ein unbenutzter Artikel, der direkt wieder verkauft werden kann. Je genauer die Unterschiede abgebildet sind, desto weniger Nacharbeit entsteht.

Auch Änderungen vor dem Versand sollten geregelt sein. Nicht jede Bestellung kann jederzeit problemlos angepasst werden. Das System sollte erkennbar machen, in welcher Phase eine Änderung noch möglich ist und wann bereits eine manuelle Abstimmung erforderlich wird. Dadurch lassen sich widersprüchliche Anweisungen zwischen Lager, Kundenservice und Versand vermeiden.

Welche Kennzahlen tatsächlich etwas über die Prozessqualität aussagen

Ohne geeignete Kennzahlen bleibt die Optimierung oft eine Sammlung von Eindrücken. Allerdings halte ich es für wenig hilfreich, einfach möglichst viele Werte zu sammeln. Entscheidend ist, ob eine Kennzahl eine konkrete Schwachstelle sichtbar macht und eine Handlung ermöglicht.

Die durchschnittliche Bearbeitungszeit einer Bestellung kann beispielsweise einen ersten Überblick geben. Sie sagt jedoch wenig aus, wenn einige Aufträge innerhalb weniger Minuten verarbeitet werden und andere aufgrund von Ausnahmefällen mehrere Tage liegen bleiben. In solchen Fällen lohnt sich eine getrennte Betrachtung der Standardbestellungen und der problematischen Vorgänge.

Ebenso interessant ist der Anteil der Bestellungen, die ohne manuelle Nacharbeit verarbeitet werden können. Ein steigender Automatisierungsgrad ist aber nicht automatisch positiv, wenn dadurch mehr Fehler entstehen oder Kunden häufiger kontaktiert werden müssen.

Für die operative Steuerung können insbesondere folgende Kennzahlen sinnvoll sein:

  1. Order Cycle Time: Die Zeit zwischen Eingang der Bestellung und dem Abschluss der vorgesehenen Auftragsabwicklung.
  2. First-Time-Right-Quote: Der Anteil der Bestellungen, die ohne Korrekturen, manuelle Nachfragen oder erneute Bearbeitung verarbeitet werden.
  3. Exception Rate: Der Anteil der Aufträge, bei denen ein definierter Ausnahmeprozess ausgelöst wird.
  4. Liefertermintreue: Der Anteil der Bestellungen, die innerhalb der zugesagten Lieferzeit zugestellt werden.
  5. Retourenbearbeitungszeit: Die Zeit zwischen Eingang einer Rücksendung und dem Abschluss der vorgesehenen Bearbeitung.

Die Aussagekraft entsteht erst durch die regelmäßige Analyse. Wenn die Fehlerquote nach einer Systemänderung steigt, sollte nicht nur der Durchschnittswert der Bearbeitungszeit betrachtet werden. Vielleicht werden Standardbestellungen schneller abgewickelt, während komplizierte Aufträge häufiger hängen bleiben. Eine einzelne Kennzahl würde diese Entwicklung nicht ausreichend erklären.

Prozessverbesserung gelingt selten mit einem einzigen großen Projekt

Die Vorstellung, den gesamten Order-Management-Prozess in einem einzigen Projekt grundlegend zu erneuern, klingt zunächst überzeugend. In der Praxis bringt ein schrittweises Vorgehen häufig weniger Risiken mit sich. Ein Unternehmen kann zunächst einen klar abgegrenzten Bereich auswählen, etwa die Bestandsprüfung oder die Weiterleitung von Ausnahmebestellungen.

Nach der Umsetzung sollte geprüft werden, ob sich die gewünschte Verbesserung tatsächlich im Alltag zeigt. Werden weniger Rückfragen gestellt? Gibt es weniger manuelle Korrekturen? Können Aufträge schneller zugeordnet werden? Und hat sich die Arbeit für die beteiligten Mitarbeiter wirklich vereinfacht?

Gerade der letzte Punkt wird bei technischen Projekten gern unterschätzt. Ein Prozess kann aus Sicht der Systemarchitektur elegant aussehen und für die Mitarbeiter im Lager trotzdem umständlicher geworden sein. Wenn zusätzliche Masken, komplizierte Eingaben oder unklare Fehlermeldungen entstehen, wird die Verbesserung möglicherweise nicht akzeptiert.

Ich würde deshalb die Menschen, die täglich mit den Bestellungen arbeiten, früh in die Prozessgestaltung einbeziehen. Ein Mitarbeiter, der jeden Tag Versandprobleme bearbeitet, erkennt oft schneller als eine Projektgruppe, welche Regel im Alltag nicht funktioniert. Diese Beobachtungen sollten nicht als Widerstand gegen Veränderung behandelt werden, sondern als praktische Information über die Qualität des neuen Ablaufs.

Ein Bestellprozess muss auch bei wachsendem Volumen funktionieren

Viele Unternehmen bemerken die Grenzen ihrer Abläufe erst, wenn das Bestellvolumen deutlich steigt. Was bei 100 Bestellungen pro Tag noch durch manuelle Kontrolle aufgefangen werden kann, wird bei 1.000 oder 5.000 Aufträgen zu einem ernsthaften organisatorischen Problem.

Skalierbarkeit bedeutet dabei nicht nur, mehr Bestellungen technisch verarbeiten zu können. Auch Ausnahmefälle, Rückfragen und Korrekturen nehmen mit dem Volumen zu. Wenn jeder zusätzliche Auftrag überproportional mehr manuellen Aufwand erzeugt, ist der Prozess nicht ausreichend vorbereitet.

Eine gute Grundlage schaffen eindeutige Verantwortlichkeiten, standardisierte Daten und nachvollziehbare Regeln. Das bedeutet nicht, jede Entscheidung vollständig zu automatisieren. Vielmehr sollte klar sein, welche Aufgaben das System übernimmt, welche Entscheidungen Mitarbeiter treffen und wie ein Auftrag weiterbearbeitet wird, wenn etwas nicht nach Plan läuft.

Bei der Auswahl neuer Software würde ich deshalb nicht allein auf die Anzahl der Funktionen achten. Wichtiger ist, ob die Lösung zum tatsächlichen Geschäftsmodell passt. Ein Unternehmen mit wenigen Standardartikeln benötigt andere Möglichkeiten als ein Händler mit vielen Varianten, mehreren Lagerstandorten und komplexen B2B-Kundenvereinbarungen.

Die beste Optimierung ist manchmal eine bewusst entfernte Prozessstufe

Wenn ich einen Bestellprozess kritisch betrachte, suche ich nicht nur nach zusätzlichen Automatisierungen. Manchmal liegt die größte Verbesserung darin, einen unnötigen Schritt ganz zu entfernen.

Ein Beispiel: Eine Bestellung wird zunächst automatisch angenommen, anschließend von einem Mitarbeiter geprüft und danach nochmals von einer zweiten Person freigegeben, obwohl die zugrunde liegenden Kriterien identisch sind. Wenn diese doppelte Kontrolle keinen zusätzlichen Schutz bietet, verlängert sie lediglich die Bearbeitungszeit. In anderen Situationen ist eine zweite Prüfung durchaus sinnvoll, beispielsweise bei hohen Bestellwerten oder besonderen Vertragsbedingungen.

Der Unterschied liegt in der Begründung. Jede Prozessstufe sollte eine nachvollziehbare Funktion haben. Wenn niemand erklären kann, warum eine bestimmte Prüfung erforderlich ist, lohnt sich eine genauere Untersuchung.

Auch Statusmeldungen, E-Mail-Benachrichtigungen und interne Übergaben sollten gelegentlich auf ihren tatsächlichen Nutzen überprüft werden. Ein System, das bei jeder kleinen Änderung mehrere Nachrichten erzeugt, kann die Aufmerksamkeit der Mitarbeiter eher zerstreuen als verbessern. Weniger, aber präzisere Informationen sind oft hilfreicher.

Was am Ende über einen guten Order-Management-Prozess entscheidet

Ein optimierter Bestellprozess zeigt sich nicht nur in einer kürzeren Bearbeitungszeit oder einer modernen Softwareoberfläche. Er zeigt sich in der Ruhe, mit der ein Unternehmen auch kompliziertere Aufträge bearbeiten kann. Wenn eine Bestellung vom Eingang bis zur Lieferung nachvollziehbar bleibt, Zuständigkeiten geklärt sind und Ausnahmen nicht im täglichen Chaos verschwinden, entsteht eine belastbare operative Grundlage.

Natürlich wird kein Prozess vollständig frei von Fehlern sein. Bestände können falsch gebucht werden, Lieferanten können sich verspäten und Kunden können ihre Anforderungen ändern. Die entscheidende Frage ist daher nicht, ob Probleme auftreten, sondern wie schnell und nachvollziehbar das Unternehmen darauf reagieren kann.

Wer seinen Order-Management-Prozess verbessern möchte, muss nicht zwangsläufig mit der größten technischen Lösung beginnen. Oft lohnt es sich, eine einzelne wiederkehrende Störung genau zu untersuchen und ihre Ursache zu beseitigen. Daraus können sich weitere Verbesserungen ergeben, die aufeinander aufbauen.

Am Ende geht es bei einer Bestellung um mehr als die Bewegung von Waren und Daten. Für den Kunden steht hinter jedem Auftrag eine Erwartung: dass die richtige Ware zum vereinbarten Zeitpunkt ankommt und dass jemand eine Antwort geben kann, wenn etwas nicht funktioniert. Ein guter Bestellprozess nimmt diese Erwartung ernst, ohne unnötige Komplexität aufzubauen. Und genau daran sollte sich jede Optimierungsmaßnahme messen lassen.

Bildnachweis: Magnific (www.magnific.com)


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